Die kleinen Leute von Friededuda

(In Anlehnung an „ Die kleinen Leute von Swabedoo" von Stefanie Reich; umgeschrieben für das Mitarbeitervortreffen für die Vesperkirche 2020)

Vor langer Zeit lebten in einem Dorf „Friededuda“  kleine Leute. Sie nannten sich „Friededudas“

Sie waren sehr glücklich und liefen herum mit einem Lächeln bis hinter die Ohren und grüßten jedermann.

Was die Leute am meisten liebten war, einander warme, weiche Pelzchen zu schenken.. So oft sich die „Friededudas“ trafen, gab der eine dem anderen ein Pelzchen. Es ist sehr schön, einem anderen ein warmes, weiches Pelzchen zu schenken. Es sagt dem anderen, dass er etwas Besonderes ist es.

Außerhalb des Dorfes wohnte ein reicher Konzernchef. Er hatte schon einige Male am Rand des Dorfes gestanden und sich gewünscht, er könnte dort mitten unter den fröhlichen „Friededudas“ sein, aber er hatte nichts, was er hätte dazu tun können und das Austauschen von warmen, weichen Pelzchen hielt er für einen großen Unsinn.

An einem Abend als der Konzernchef wieder am Dorfeingang stand, begegnete ihm ein freundlicher kleiner „Friededuda“.

„Ist heute nicht ein schöner Tag?“ fragte der Kleine lächelnd. Der Konzernchef zog nur ein grimmiges Gesicht und gab keine Antwort. „Hier, nimm ein warmes, weiches Pelzchen, sagte der Kleine, aber der Konzernchef nahm das Pelzchen nicht,

beugte er sich zu dem Kleinen hinunter und

flüsterte ihm ins Ohr: „Du, hör mal, sei nur nicht so großzügig mit deinen Pelzchen. Weißt du denn nicht, dass du eines Tages kein einziges Pelzchen mehr besitzt, wenn du sie immer so einfach an jeden, der dir über den Weg läuft, verschenkst?

Also, wenn ich du wäre: ich würde vorsichtig mit dem Verschenken sein!“

Dann ging er, und der kleine „Friededuda“ ging verwirrt zurück in sein Haus.

Nicht lange, so kam ein guter Bekannter vorbei, mit dem er schon viele warme, weiche Pelzchen ausgetauscht hatte.

„Wie schön ist dieser Tag!“ rief der Freund, griff in seinen Beutel, und gab dem anderen ein Pelzchen. Doch dieser nahm es nicht freudig entgegen, sondern wehrte mit den Händen ab. „Nein, nein! Behalte es lieber,“ rief der Kleine, „wer weiß, wie schnell sonst dein Vorrat abnimmt. Eines Tages stehst du ohne Pelzchen da!“

Der andere nahm verwirrte Gedanken mit und am gleichen Abend konnte man noch dreimal im Dorf hören, wie ein „Friededuda “ zum einem anderen sagte: „Es tut mir leid, aber ich habe kein warmes, weiches Pelzchen für Dich. Ich muss darauf achten, dass sie mir nicht ausgehen.“

Und so breitete sich diese Sitte unter den „Friededudas “ aus.

Niemand verschenkte mehr ein Pelzchen und es wurde kühl in „Friededuda“.

Als der Konzernchef davon hörte, war er richtig erschrocken. „Das wollte ich nicht“, sagte er zu sich selbst, „das wollte ich bestimmt nicht. Ich, wollte ihnen doch nur zeigen, wie die Welt wirklich ist, dass man weiter kommt, wenn man nicht so viel Zeit mit unnützem Zeug vertut. Um mithalten zu können muss es schell und effektiv sein, man muss doch auch seinen Besitz schützen und nicht einfach so verschleudern

Er überlegte, was man nun machen könnte. Er brachte den „Friededudas“ manches:

  • eine Rechenmaschine,
  • einen Computer,
  • eine Stechuhr
  • er legte Bilanzen und Effektivitätskurven vor

… aber die Kälte und das Misstrauen im Dorf blieb. Es blieb kalt zwischen ihnen. Die Aufmerksamkeit, die Freundlichkeit war einfach weg.

So ging es eine ganze Weile weiter bis eine alte Frau sich erinnerte …

Sie kroch unter ihr Bett, zog ihren Beutel mit Pelzchen hervor und erzählte ihren Enkelkindern davon, wie sie es früher gemacht hatten und wie gut sie miteinander waren.

Und dann fingen die Kinder untereinander an, sich kleine Pelzchen zu schenken. Dann schenkten sie auch ihren Eltern, die ihren Bekannten und Kollegen wieder Pelzchen …   

Jedes Mal leuchteten dann die Augen des Beschenkten!

Die „Friededudas“ nahmen sich wieder Zeit für ein Schwätzchen, sie bleiben bei jedem, der ihnen begegnete stehen und sie redetet miteinander. Sie hören sich zu und teilten die Sorgen miteinander … und sie schenkten sich gegenseitig Pelzchen.

Jedes Pelzchen erzählte: 

Du bist wichtig …

du bist es wert …

und du bis willkommen

Mit der Zeit wurde es wieder hell und freundlich in „Friededuda“.

 

 


Die Kirche ist zu?!


Kennen Sie die Geschichte, in welcher der liebe Gott in seiner eigenen Kirche eingeschlossen wurde, von seinem eigenen Bodenpersonal?
Das Bodenpersonal konnte eigentlich gar nichts dafür, sagt der liebe Gott.
Und dann erzählte er mir – und damit jetzt auch Ihnen - die ganze, lange Geschichte:

Der liebe Gott war in die Kirche gegangen. Die Kirche war weit offen – vielmehr, die Türen standen weit offen.
"Was?" habe ich den lieben Gott gefragt (ich musste ihn einfach unterbrechen!), "die Türen der Kirche waren offen?? Die meisten Kirchen sind doch außerhalb des Gottesdienstes immer zu. Verriegelt, vernagelt! Da fehlt nur noch ein Schild an der Türe: Wir geben nichts!"

Fragen Sie sich eigentlich auch, warum so viele Kirchen die meiste Zeit geschlossen sind? Haben die denn Angst, dass ihnen jemand den Pfarrer oder die Pfarrerin klaut? Dass jemand eine Kirchenbank mopst? Oder gleich die ganze Kirche mitgehen lässt?
So viele Kostbarkeiten haben wir doch gar nicht. In unseren Kirchen ist doch nicht viel zu holen. Vielleicht noch ein Gesangbuch, aber das wäre ja gut, wenn einer keines hat...

Ich schweife ab - zurück zu unserer Geschichte. Der liebe Gott konnte zwar rein in die Kirche, aber er kam nicht mehr raus! Eingeschlossen!
Er hat geklopft, getrommelt und gepfiffen: nichts.
Kein Pfarrer, keine Pfarrerin, weder Mesner noch Mesnerin haben ihn gehört.

"Lieber Gott", habe ich gesagt (ich musste ihn schon wieder unterbrechen), "du hättest doch eines von deinen Zeichen und Wundern tun können."
Das hätte er sich auch überlegt, antwortete mir der liebe Gott. Aber das wäre nicht mehr objektiv gewesen. Außerdem sage Jesus ihm immer, er solle mit seinen Zeichen und Wundern sparsam umgehen. Und sie vor allem nicht für sich selbst verbrauchen!

Also hat sich der liebe Gott damit abgefunden, dass er in seiner eigenen Kirche eingeschlossen war. Er hat sich auf eine Bank gelegt, die Stille genossen und ist irgendwann eingeschlafen.

Und hätte der Mesner nicht am nächsten Morgen mit ein paar Gemeindegliedern, dem Pfarrer und der Pfarrerin das Gemeindefest vorbereitet, dann hätte der liebe Gott mindestens bis zum nächsten Gottesdienst dort durchgeschlafen.

"Nein, also wirklich!" legten die Leute gleich los, als sie den lieben Gott schlafend auf der Kirchenbank fanden, "Wo gibt's denn so etwas?! Penner können wir hier nicht brauchen, und Junkies schon gar nicht! Auch die, die nur rum schnorren möchten, haben hier nichts zu suchen...  wo kämen wir denn da hin? Nix da – raus!"

Der liebe Gott entschuldigte sich, verbeugte sich ein paar Mal und zog sich auf Zehenspitzen, fast leicht tänzelnd, zurück.
Und dann entschloss er sich doch, eines seiner Wunder zu tun. Das eifrige Vorbereitungsteam des Gemeindefestes war plötzlich eingeschlossen. Ohne Schlüssel! Sie kamen einfach nicht mehr aus der Kirche heraus. Und es dauerte lange, bis ihr Rufen und Klopfen gehört wurde. Schließlich musste neben dem Schlüsseldienst auch noch die Feuerwehr anrücken, denn die Alarmanlage ging los...

 

Seit dieser Zeit steht die Kirche offen. Und es tummeln sich viele verschiedene Menschen dort: Obdachlose und die ganz Vornehmen, Landstreicher und Familienfrauen mit ihren Kindern, Schnorrer, Jugendliche, gestresste Angestellte und viele, viele andere.

Ja, und dann ist noch etwas passiert. Denn seitdem der liebe Gott in seiner eigenen Kirche eingeschlossen wurde und wiederum die anderen eingeschlossen hat, seitdem gibt es hier und da Vesperkirchen.

Der liebe Gott hat seine Freude daran.

Denn er liebt die, die mit anpacken und offen sind. Die in einer kälter und unwirtlich werdenden Gesellschaft auf besondere Weise ein Zeichen setzten wollen. Die nicht zu allem Ja und Amen sagen, sondern miteinander für Leib und Seele sorgen wollen. 

Und, das verrate ich Ihnen jetzt im Vertrauen, an manchen Tagen der Vesperkirche ist der liebe Gott auch mitten unter den Gästen, sitzt mit ihnen am Tisch, schwatzt und lacht mit seinen Tischgenossen…

Sie kommen doch auch zur Vesperkirche - wer weiß, vielleicht sitzt der liebe Gott ja mit Ihnen am Tisch...?!



frei nach Hanns-Dieter Hüsch