Liebe Freundinnen und Freunde der Vesperkirche,

bis zuletzt hatten wir gehofft, dass wir mit unserem neu erarbeiten Konzept der „Vesperkirche to go“ am 19. Januar 2021 an den Start gehen können.

Gastwirte standen bereit, für unsere Gäste zu kochen.

Die wenigen Ehrenamtlichen, die wir bei diesem Modell gebraucht hätten, hatten sich gemeldet und die Einsatzpläne waren längst erstellt.

Viele fleißige Menschen haben in den letzten Wochen und Tagen selbstgemachte Masken, Socken, Schals, Mützen und Marmeladen zu Bärbel Albrecht in die Geschäftsstelle der Diakonie gebracht. Alles sollte in den Vesperkirchentaschen zu den Menschen kommen, die unsere Gäste sein sollten. Die Kuchenbäcker*innen standen schon mit Eiern, Zucker und Mehl bereit, um für die Vesperkirche auch in diesem Jahr köstliche Kuchen zu zaubern.

Schweren Herzens haben wir nun alles abgesagt.

Dann, wenn die Zeiten wieder besser und alles möglich ist, sollen unsere Gäste in den Genuss eines guten Essens kommen, und die Gastwirte die von uns bestellten Essen auch abgenommen bekommen.

Alle Spenden, ob nun finanzieller oder materieller Art, werden zu einem späteren Zeitpunkt an diejenigen weitergegeben, für die sie ursprünglich auch gedacht waren.

Das Virus hat unser Leben und auch das Vesperkirchenleben aus den Angeln gehoben. Vieles, was uns in all den Jahren bei der Vesperkirche wichtig war, kann so in diesem Jahr nicht mehr stattfinden.

Seit vielen Monaten haben die AHA Regeln Einzug in unser Leben gehalten. In den letzten Tagen wurden sie sogar noch verschärft.

  • „A“ steht für Abstand halten.
  • „H“ steht für Hände waschen
  • „A“ steht für Alltagsmasken tragen.

AHA eine gute Formel - sie ist leicht zu merken und macht Sinn.

Ich überlege, ob „AHA“ nicht sogar mehr als eine Formel ist, mit deren Hilfe wir gut durch den Corona-Alltag kommen.

Vielleicht steckt im „AHA“ auch noch etwas, das mir hilft, diesen verrückten Alltag zu beschreiben, und das mir gleichzeitig Mut macht und ein wenig hilft, meinen Alltag zu meistern.

„A“ bedeutet „Abstand halten“.

Ja, das ist und bleibt wichtig. Für mich steht dieses „A“ aber auch für „aushalten“. Ich muss aushalten, dass dieses unsichtbare Virus meinen Alltag prägt. Ich muss aushalten, dass der Alltag von mir und von allen anderen dadurch anstrengender, komplizierter und irgendwie unsicherer geworden ist.

Aushalten muss ich auch mich selbst.

Ich stelle an mir fest, dass ich schneller müde und auch mürrischer bin, ungehaltener und dass es anderen auch so geht. Wir müssen uns gegenseitig aushalten in dieser neuen Lebenssituation.

„H“ steht für „Händewaschen und Hygiene“.

Ebenfalls sehr wichtig und gleichzeitig soll es für mich auch für „Hoffnung“ stehen.

Ich hoffe, dass wir gut durch die Krise durchkommen. Ich hoffe auf den Impfstoff, und ich hoffe, dass wir alle auch etwas aus dieser Krise lernen. Dass wir uns bewusster werden und uns bewusst machen, was wirklich zählt im Leben, was wir tatsächlich brauchen, und auf was wir ohne große Not auch verzichten können.

Das zweite „A“ in der Formel steht für „Alltagsmaske tragen“.

Wer von uns hätte bei der letzten Vesperkirche daran gedacht, dass eine solche Maske in unserem Alltag einmal so wichtig sein und so eine Bedeutung bekommen würde.

Beim zweiten „A“ fallen mir die Worte „aufeinander achtgeben“ ein.

Gerade in diesen Zeiten ist es besonders wichtig, dass wir aufeinander achtgeben.

Nicht aus den Augen aus dem Sinn. Auch nicht jetzt, wo wir die Kontakte noch einmal mehr einschränken müssen und dadurch der Abstand zu anderen Menschen wieder größer sein wird.

Ich glaube, wir sind alle gefordert, unsere Fantasie zu bemühen und uns zu überlegen, wie wir miteinander auch auf Abstand im Kontakt bleiben können. Und wir müssen dranbleiben, Kontakte pflegen. - einen Kartengruß in den Briefkasten stecken, ein Plausch durchs offene Fenster oder am Telefon, eine Nachricht per WhatsApp … . Es wird daraus eine neue Form des Zusammenzuhaltens und des miteinander Verbundenseins  entstehen.

Welche Worte verbergen sich für Sie hinter den Buchstaben „AHA“? Vielleicht mögen Sie sie mir schreiben.

Ich würde mich sehr darüber freuen. (Gisela.Vogt(at)elkw.de)

Haben Sie einen guten Tag und bleiben Sie zuversichtlich und behütet.

Wir sind zuversichtlich, dass die Vesperkirche 2022 wieder in der Friedenskirche stattfinden kann und hoffen dann wieder auf Ihre Unterstützung.

Kirche und Diakonie vergessen die Menschen nicht, die jetzt in akuter Not sind. In unseren Beratungsstellen sind wir für sie da.

Ihre

Gisela Vogt                                                   Bärbel Albrecht

(Pfarrerin, Friedenskirche Ludwigsburg)             (Projektleitung Vesperkirche)